Poor Player #5 – Arme Game-Designer*innen

Jeder Mensch kann heutzutage Games entwickeln! Halt, wirklich jeder? In der fünften Folge von Poor Player reden Eric und Christian über das böse P-Wort und die vielen Hindernisse beim Verfolgen einer Game-Design-Karriere: Warum ist es ein ernstzunehmendes Problem, wenn arme Entwickler*innen von kommerziellen Plattformen wie Steam durch Veröffentlichungsgebühren ausgeschlossen werden? Welche materiellen und immateriellen Ressourcen müssen für eine entsprechende Berufsausbildung zur Verfügung stehen? Und mit welchen anderen Einschränkungen hat man als arme Spieleentwickler*innen zu kämpfen?

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Errata:
An der Games Academy gibt es – anders als von uns dargestellt – die Möglichkeit, Schüler-BAföG zu beantragen. Mehr Informationen dazu auf der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Und wie immer Links mit Hintergrundinfos:

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Ein Kommentar zu „Poor Player #5 – Arme Game-Designer*innen

  1. Hey ihr beiden,

    eine tolle 5. Folge, vielen Dank. Den Zusammenhang zwischen sozialer Schicht der Produzierenden und dem produzierten Content, auch in Übertragung auf andere Medien, hatte ich mir so noch nie vor Augen geführt. Seit Jahren frage ich mich, warum wir in Serien und Filmen immer weniger Schicksale von armen – oder auch nur durchschnittlich verdienende Menschen sehen und stattdessen immer mehr, die von Leuten die finanziell extrem privilegiert sind. Vergleiche die Einkommensverhältnisse der Protagonisten von “Modern Family” mit denen der Tanners in “Alf”. Eure Theorie, dass der Anteil von privilegierten Menschen in Medienberufen zunimmt ergibt Sinn.
    Eine Berichtigung: Die Games Academy ist Bafög fähig – ich selbst habe 2003 elternunabhängiges Bafög für meine Ausbildung an der GA erhalten, die ich mir ansonsten nicht hätte leisten können. Dadurch, dass die GA staatlich anerkannte Ergänzungsschule ist, hast du dort auch gar nicht so wenig Studierende, deren Ausbildung von Arbeitsamt oder Rentenkasse gefördert wird – nach meinem oberflächlichen Vergleich als Dozent an verschiedenen Hochschulen und der GA ist mein Eindruck, dass du an der GA eher mehr Menschen aus einfachen Verhältnissen triffst.
    Während die Ausbildungskosten übrigens kaum gestiegen sind, müssen Studierende in Berlin heute das 2 ½ fache für Miete ausgeben im Vergleich zu 2005 (laut einer Blitzumfrage unter meinen Studierenden).
    Es gibt noch ein weiteres finanzielles Nadelöhr, das direkt nach der Ausbildung kommt: Ein häufig un- oder schlecht bezahltes Praktikum.
    Mein erstes Praktikum wurde mit 500 €/Monat vergütet und sollte 6 Monate dauern. Natürlich bei vollen 40 Stunden plus reichlich Crunch. Ohne Unterstützung meiner Familie hätte ich das nicht machen können und dann auch trotz Ausbildung keinen Job in der Branche gefunden. Für einige aus meinem Jahrgang, die durch Unterstützung und Nebenjobs noch die Ausbildung geschafft haben, war es das Praktikum, das sie sich dann nicht mehr leisten konnten. Neben einem solchen Praktikum ist es unmöglich noch zu arbeiten um Geld zu verdienen. Es gab einige Firmen in Berlin, die als Teil ihres Geschäftsmodells unbezahlte Praktikantinnen für 6 Monate für sich arbeiten ließen um sie im Anschluss durch neue unbezahlte Praktikanten zu ersetzen.

    Ein Punkt, der nur indirekt mit der Spielentwicklung zu tun hat, aber dennoch einen großen Einfluss hat: Spieleentwicklung braucht ein Netzwerk – einen Pool an vielen verschiedenen Leuten mit verschiedenen Fähigkeiten. So ein Netzwerk findet man am ehesten in den großen Städten wohlhabender Länder, wo die Büro- und Wohnungsmieten explodieren.
    Auch das führt zu einem Selektionsprozess, der Menschen mit weniger Mitteln oder dem falschen Pass ausschließt.

    Der Saftladen und andere Co-Working Spaces sind eine Reaktion auf diese Entwicklung. Aber auch dieses Schlupfloch wird gerade geschlossen. Die neu entstehenden Co-Working Spaces werden von großen Investoren betrieben, bieten tausende von Plätze, heizen die Büromieten weiter an und unterbieten – zumindest momentan – die Mieten der kleinen Spaces.
    Unser doch-nicht Bausenator Andre Holm hat diesen Prozess als Wertabschöpfung des Kapitals der neuen Art von Arbeit beschrieben die in den Startups entsteht: früher gehörte dem Kapital die Produktionsmittel in Form von Maschinen und Hallen – heute vermietet man den Startups die Stadt, die diese zur Wertschöpfung so dringend benötigen. Ich fand das eine sehr akkurate Beobachtung.

    Das war sicher der längste Kommentar, den ich je geschrieben habe – und in einer kleinen Ecke des Internets, wo ihn nie jemand finden wird. Sehr schön

    You guys inspired me! Weitermachen! 🙂

    Viva

    jörg

    Gefällt 1 Person

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